1. DAS WAPPEN DER FAMILIE ROCHOLL

Im blauen Felde ein silbernes Haus mit rotem Dach über drei goldenen Münzen, auf dem Spangenhelm ein blauer Flug. Blau-silberne Decken. Dieses „Hauswappen“ (vgl. NaBl 06 „Das Wappen der Familie ROCHOLL“ von Dr. Walther ZIMMERMANN – Ehegatte von Arnhild ROCHOLL) kommt zuerst in dem Siegel gemäß  nachstehender Siegel-Abbildungen Nr. 1 eines Briefes aus dem Jahr 1705 des Pfarrers Johann ROCHOLL, damals zu Neviges, vor. Es erscheint später (1788) auf den beiden Grabplatten des Johann Melchior Peter ROCHOLL und seiner Gattin Anna Erich ROCHOLL in der Pauli-Kirche zu Soest (vgl. Abbildung der Grabplatte unter [0601900]), und es hat sich weiterhin mit geringen Abweichungen in zahlreichen Zweigen der Familie erhalten. Die gebräuchlichste, nebenstehende Darstellung stammt von dem Wappenmaler Carl BUSCH, Berlin-Südende. Dieses Wappen wurde am 26. Oktober 1937 in die Wappenrolle des „Der Herold“ unter der Nr. 399/37 eingetragen.

Nach Gründung des Familienverbandes im Jahre 1902 wurde die Annahme des „Radwappens“ – ein rotes Rad im silbernen Felde, ursprünglich von dem ausgestorbenen Geschlecht VON BERCHEM, gen. ROCHOLZ geführt – eifrig gefördert. Der Nachweis einer Abstammung von diesem Geschlecht ist jedoch bis jetzt nicht gelungen, und erscheint auch nicht durchführbar zu sein (vgl. den Aufsatz “Zur Wappenfrage“ von Richard ROCHOLL im NaBl 22).

Zu erwähnen bleibt noch ein hausmarkenartiges Siegel (siehe nachstehende Abbildung 4) das der Altvater Bernhard ROCHOLL in seinen Briefen an seinen Sohn Gottschalk ROCHOLL in den Jahren 1705 und 1706 gebraucht hat. Es stellt etwa die Form eines Schlüssels dar (ohne tatsächlich damit etwas

zu tun zu haben) weist die Anfangsbuchstaben von Gottschalk und ROCHOLL auf. Das „G“ krönt ein Stab, das „R“ ist seitlich an diesen angefügt, während die Zeichnung am unteren Ende des Stabes einem in Querrichtung auseinandergezogenen „H“ ähnelt, dessen Bedeutung aber nicht festgestellt werden kann. Eine spätere Anwendung des Siegels in der Familie ist nicht bekanntgeworden.

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Abb. 1: 1705

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Abb. 2: 1788

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Abb. 3: Neuere Zeit

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Abb. 4: 17. Jahrhundert

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Abb. 5: 1927 - s. Wappen

ALLGEMEINES ZUR RADER ROCHOLL

Anmerkung: Wie bereits sowohl im PROLOG als auch unter "DIE »NEUZEIT« DER RADER ROCHOLL" geschrieben, sind die nachfolgenden Texte z.T. gegenüber 1938 neu formuliert und insbesondere die Personendaten in den neu eingeführten Stammhaltertabellen übersichtlicher aufgebaut worden.

 
 

2. DER NAME DER FAMILIE ROCHOLL

Die Deutungen über den Ursprung des Namens ROCHOLL sind sehr verschiedenartig.

  1. Am schwungvollsten erscheint die Auslegung, dass durch sprachliche Umbildung aus dem gotischen Hroc [Schlachtruf, Kriegsgeschrei] das heutige ROCH der ersten Hälfte des Wortes entstanden sei, und das in Verbindung mit der zweiten Silbe wald, ald, old [walken, herrschen, gewaltig] dem ganzen Namen Hrocold die Bedeutung „der im Schlachtruf Gewaltige“ zukomme – vgl. den Aufsatz „Mitteilungen des Vorsitzenden über den Namen ROCHOLL“ von Konsistorialrat Dr. Heinrich ROCHOLL, Hannover, im Bericht über den 2. Familientag der Familie ROCHOLL am 17.5.1904 in Soest. – Eine gewisse Kampfesfreudigkeit ist zum mindestens in den älteren Geschlechterreihen erkennbar und soll als Erbanlage vereinzelt auch heute vorkommen.
     

  2. Weniger kriegerisch klingt jene Nachricht (vgl. Hermann ESSER, Hohenlimburg und Elfeh „Ein Beitrag zur westfälischen Orts- und Territorialgeschichte“, Dortmund 1907, S.3.) – wenn man sie auf die Familie ROCHOLL anwendet -, wonach das spottlustige Mittelalter die Behausung der ausgestorbenen Familie VON BERCHEM mit dem Beinamen ROCKHOLL, das ist RAUCHLOCH, belegte, und diese Familie, der Gewohnheit der Umwohner folgend, sich samt ihrem Hause ebenso benannte, nämlich VON BERCHEM, gen. ROCHHOLZ.
      

  3. In diesem Zusammenhang sei noch eine andere Deutung erwähnt, nämlich die Ableitung des Namens von RAUCHHÖHLE = Schornstein. Diese Auslegung erfreut sich weiter Verbreitung in der Familie. Daher auch – als sogenanntes redendes Wappen – das Hauswappen mit dem rauchenden Schlot.
      

  4. Neuerdings teilte der aus dem Münsterlande stammende Urkundenverwalter Ferdinand SCHMIDT, Burg Altena i. Wfl., mit, dass man in Westfalen mit Rauchholz einen Holzpflock bezeichnete, an dem die Würste und Schinken im Rauchfang hingen. Dann würde der Familienname ROCHOLL zu der großen Gruppe von Namen gehören, die von Gegenständen des täglichen Bedarfs abgeleitet sind, wie z.B. Tischbein, Ofenloch, Kettelhack (Kesselhaken).
      

  5. Zu guter Letzt eine Erklärung, die den Vorzug hat, an eine urkundlich überlieferte, recht alte Namensform anzuschließen:  
    In der Zeit des Soester Geschichtsvereins 1898/99 (Heft 16) bringt auf Seite 9 und folgenden der (ungenannte) Herausgeber Professor Vogeler „Ältere Nachrichten über Lohne“, die er offenbar aus Urkundenstücken der von ihm verwalteten Soester Stadturkundensammlung entnommen hat. Dort ist auf Seite 20 mehrfach von Rockelohs Hof die Rede, der heute ROCHOLL Hof heißt [zu diesem Hof haben die Radevormwalder ROCHOLs keine Beziehungen. Dieser Hofname ist lediglich ein Beweis für die Bedeutung des auch sonst vorkommenden Namens ROCHOLL]. Der Name gehört also zu den zahlreichen jetzt auf „l“ endigenden westfälischen Namen, bei denen dieser Endlaut der Rest der alten Endsilbe loh ist. Loh aber heißt Holz, Gehölz, heute noch erhalten in Lohe, und Bestandteil des Familiennamens LOHMANN (Lehmann). Beispiele für die Abschleifung der beiden Endbuchstaben sind die Namen Grevel und Twickel. Beides sind westfälische Uradelsnamen. Nach dem ersten heißt heute noch ein Dorf in der Nähe von Dortmund. Sein Ursprung ist Grevenloh = Grafenwald. Twickel hingegen heißt noch im 15. Jahrhundert Twickeloh. Noch heute nennt der Münsterländer Bauer einen Zweig Twickel. Die hochdeutsch nächste Form ist Zweigel(ein). Twickeloh ist aber auch genau das Gegenteil von Rockeloh. In diesem Namen ist das Rocke zu deuten, wie es in allen anderen Erklärungen des Namens ROCHOLL gedeutet wird, und wie es in der Form Rauchholz am deutlichsten erhalten ist, nämlich als rauh. Die Herren VON ROCKELOH (ROCHOLL) wohnten also am rauhen, dick(icht)en Holz, die von Twickeloh (Twickel) am dünnen Gehölz. Jetzt erklären sich auch alle die Formen wie Rockel, Röckel, Rochel, Rockol, ROCHOL. Aus der Genitivform ROCHOLs ist dann die erwähnte Form Rauchholz entstanden. Wenn sie zufällig auch auf holz endet, so ist das ein Zufall, jedenfalls stammt diese Silbe nicht unmittelbar von dem alten Bestandteil loh her. Die Häufigkeit des Tatbestandes, dass ein Bauer am Dickicht wohnte, erklärt auch die Häufigkeit der Namensbildung ROCHOLL. Dadurch brauchen durchaus nicht alle Träger des Namens ROCHOLL miteinander verwandt sein, was indessen umgekehrt für Namensträger ROCHOLL, die aus Radevormwald stammen, sehr wohl der Fall sein dürfte.
            

  6. Die Schreibweise des Namens ROCHOLL ist, wie nachstehende Unterschriftentafel zeigt, seit Gottschalk ROCHOLL, 1593, gleichgeblieben, wenn auch der Bürgermeister Peter ROCHOLL, der 1675, 88 und 94 seinen Namen mit zweil“ schreibt, 1682 eigenartigerweise mit eineml“ zeichnet. Zu den Urkunden kommen allerdings infolge des Sprachgebrauchs jener Zeit Entstellungen in den mannigfaltigsten Abweichungen vor. – Ein Namensträger sah sich um 1830 aus Überzeugung, dass ein „l“ genüge, weiterhin ROCHOL zu schreiben. Aus dieser Angewohnheit entwickelte sich unter seinen Nachkommen eine als regelrechte Namensänderung empfundene neue Schreibweise.

 

3. HERKUNFT UND AUSBREITUNG DER FAMILIE ROCHOLL

 
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Hierüber spricht Gerichtsrat LouiROCHOLL, (1827 –†1876) Hagen i.Wfl., der Bearbeiter der 1866 veröffentlichten Stammtafel der Familie, in seinem Vorwort verschiedene Andeutungen aus, deren Wesentlichstes hier folgt:

a) Aus einer Nachricht des Justizbürgermeisters Adolph Wilhelm ROCHOLL, Soest. „Der Stammvater der ROCHOLL’schen Familie stammt aus dem Hause ROCHOLL im "Elve’schen". Er überließ als Cadet (nachgeborener Sohn) seinem älteren Bruder das Gut und trat als Capitain in holländische Dienste, wo er sich mit einer Person bürgerlichen Standes verheiratete. Nach seinem Ableben retirierten sich seine drei nachgelassenen Söhne in die Gegend von Cöln, weil, wie es heißt, an dem Orte ihres bisherigen Aufenthaltes die Pest ausgebrochen war; einer von ihnen, Gottschalk ROCHOLL, nahm seinen Wohnsitz in "Rade vorm Wald" (in der „Rodung vor dem Wald“), wo er als Kaufmann eine Tuchfabrik anlegte.“

a)  „Erwähnt sei hier noch die in einem Briefe des Corbacher Carl ROCHOLL enthaltene Notiz, der zufolge Gottschalk ROCHOLL der Sage nach aus Ost- oder Westindien mit etwas Vermögen versehen nach "Rade vorm Walde" gekommen sein soll, dessen Vorfahren aber Deutsche gewesen und von einem adligen Gut bei Schwelm unweit Gevelsberg abstammen sollen.“

b)  „und endlich führt eine aus Lippstadt beruhende Biographie den Ursprung der Familie gleichfalls auf das Geschlecht jenes Hauses ROCKHOLZ zurück. Dasselbe sei bereits in der Reformationszeit zu den Bekenntnissen des Calvins übergetreten. Nochmals hebe es gleichfalls der Zeiten Wechsel erfahren; den jüngeren Söhnen habe damals keine militärische Laufbahn offen gestanden, daher der Übergang zu bürgerlichen Beschäftigungen, wobei das Adelsprädikat als unverträglich fallen gelassen sei. Also sei denn das  ROCHOLL’sche Rittertum verschollen, gleich vielen anderen.“

 

Diese wohl aus mündlicher Überlieferung stammenden, zum Teil etwas "sagenhaft klingende Nachrichten" (O-Ton Richard ROCHOLL) sind nicht nur unbewiesen, sondern im Gegenteil als widerlegt anzusehen. Ebenso hinfällig ist die sich aus der schönen „stammbaumartig“ dargestellten Zeichnung ergebenen Abstammung des Gottschalk ROCHOLL von Berthold von ROCHOLL, Ritter auf Schloß ROCHOLZ, 1380 bis 1440 – siehe Stammtafel von 1866.

Die Familie ROCHOLL hat hiermit nichts zu tun – vergleiche den bereits angezogenen Aufsatz „Zur Wappenfrage“ von Richard ROCHOLL im NaBl 22 – sie ist vielmehr von alters her eine Bürgerfamilie. Radevormwald ist ihre Heimat. Dort wenigstens tritt sie zuerst am Ende des 16. Jahrhunderts in Erscheinung, und hier war sie bis zum heutigen Tage ununterbrochen ansässig. Im 17. und 18. Jahrhundert hat sie in ihrer Vaterstadt zahlreiche städtische und kirchliche Ehrenämter besetzt, wie Bürgermeister, Richter, Schöffe, Kirchmeister, Provisor und Ältester, und sie hat ihre angesehene Stellung bis zur Gegenwart behauptet.

Während die Familie sich im 17. Jahrhundert noch geschlossen in Radevormwald aufhielt, begannen im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts Auswanderungen nach Soest, Korbach und Wesel, später folgten solche nach Kassel, Westhofen, Vlissingen, sowie nach anderen Bezirken hauptsächlich Westfalens und seiner angrenzenden Gebiete. Im 19. Jahrhundert und bis in die neuere Zeit hinein breitete sie sich in Hannover Stadt und in Schlesien (in beiden vorübergehend) aus, ferner in Berlin, Bremen, Dresden, Leipzig, London, Utrecht und Asunción (Paraguay). Hiermit war fast ausnahmslos eine Lockerung in den Familienbeziehungen zur Heimat verbunden.

 

4. GLIEDERUNG UND UMFANG DER FAMILIE ROCHOLL

In der Stammtafel von Louis ROCHOLL galt, von den beiden Nebenzweigen I und II abgesehen, Gottschalk ROCHOLL als Stammvater der gesamten Familie. Diese Stelle musste er nach neueren Forschungen zunächst seinem Vater Peter ROCHOLL [zum Unterschiede von verschiedenen Nachfolgern gleichen Namens „UR-PETER“ genannt.] mit seinen fünf Söhnen Peter, Gottschalk, Adolph, Friedrich und Hermann einräumen. Von Gottschalk stammt der größere Hauptast, von Adolph der kleinere. Im letztgenannten sind nunmehr die ehemaligen Nebenzweige I bis II aufgegangen. – Aber auch der UR-PETER ist heute nicht mehr ältester Stammvater, sondern sein Vater „Muller vor der Brugge Bienb.“. Nach heutiger Lesart könnte es auch heißen, „Peter ROCHOLL, (der) Müller vor der Brücke zu Beyenburg“. Beyenburg ist heute ein an der Wupper gelegener Stadtteil im Osten Wuppertals. Dies ist jedoch nicht bewiesen. Siehe hierzu auch "Frühgeschichte" unterDer Vater des UR-PETER“.

Daneben gab es in Radevormwald noch zahlreiche Namensträger, darunter einen geschlossenen, neuzeitlich recht lebenskräftigen Stamm (den bisherigen Nebenzweig IV.) mit Johann Adam ROCHOLL an der Spitze. Sie waren mit dem Hauptstamm nicht zu verbinden, sind aber mit diesem wohl sicher blutsverwandt und daher im Anhang (vgl. Anhang Nr. 4) aufgeführt. Diese Namensträger ROCHOLL, die also sämtlich Radevormwald als Abstammungsort haben, bilden mit ihrer Nachkommenschaft den Personenkreis, der im Nachfolgenden behandelt wird. Die Übrigen als „Fremde ROCHOLLs“ bezeichneten Namensträger dagegen, die ihren Ursprungsort außerhalb Radevormwalds haben, werden hier nicht näher betrachtet werden. Sie treten zugleich mit dem Erscheinen der Radevormwald Sippe verstreut in Westfalen und Rheinland auf und breiten sich wie jene in anderen Gebieten Deutschlands aus (vgl. hierzu den Aufsatz „Fremde Träger des Namens ROCHOLL“ von Richard ROCHOLL im Nachr.bl. Nr. 16). Diese in den angezogenen Aufsatz besprochenen Stämme stellen jedoch nur einen kleinen Ausschnitt aus der Gesamtheit dar, und zwar handelt es sich hierbei hauptsächlich um solche Namensträger, die sich bis zu heutigen Tag nachweisbar fortgepflanzt haben. Es sind nämlich im Laufe der Jahre noch ungezählte weitere ROCHOLL-Funde (auch in ähnlicher Namensform) gemacht worden, teils in geschlossenen Stammfolgen (z.B. in Duisburg die Familie RAUCHHOLZ und in Gummersbach die Familie ROCHOLZ), teils in kleineren Gruppen oder Einzelfällen. Nach sorgfältiger Prüfung bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass diese Namensträger mit den Radevormwaldern blutsverwand sind.

Die Stammtafel von Louis ROCHOLL (von 1866) wies als Nachkommen von Gottschalk ROCHOLL (das heißt ohne Nebenzweige I und II) 549 Namensträger männlichen und weiblichen Geschlechts auf. Demgegenüber ergab eine Zählung der Nachkommen desselben – jedoch weitergeführten – Personenkreises im Jahre 1929, also nach 63 Jahren oder zwei Menschenaltern, fast die doppelte Menge, mithin eine erstaunliche Vermehrung (Anm.:Vgl. hierzu den Aufsatz „Statistisches über die Familie ROCHOLL“ von Richard ROCHOLL im NaBl Nr. 8.), und zwar folgende Zahlen: Gesamtzahl der Namensträger 1024, davon männlich 539, weiblich 462, ohne Angabe des Geschlechts – da jung verstorben – 23. Von 1001 Namensträgern (einschließlich der Jugendlichen) heirateten 458 und zwar 247 Söhne und 211 Töchter. Die 331 männlichen Berufe verteilen sich folgendermaßen: 156 Kaufleute, 32 Juristen, 23 Handwerker, je 18 Prediger und Offiziere, 12 Beamte, je 9 Ärzte und Ingenieure, je 7 Apotheker, Bürgermeister und Landwirte, 6 Lehrer, 5 Buchhändler, 4 Architekten, 3 Gastwirte, je 2 Oberförster, Volkswirte, Versicherungsbeamte, Seeleute und Schauspieler, je 1 Maler, Redakteur und Garteninspektor.

Der heutige zahlenmäßige Stand der Familie ist nach den vielen Um- und Angliederungen ganzer Zweige von den vorangegangenen Betrachtungen grundverschieden und daher nicht mit diesen vergleichbar. Eine Zusammenstellung der gesamten in der Stammfolge und im Anhang Nr. 1 (Die Stammfolge des Johann Adam ROCHOLL unter Anhang Nr. 1b wurde 1930 aufgestellt. Da zwischenzeitlich Änderungen im Familienstand eingetreten sein können, wären in den folgenden Zahlenangaben Abweichungen möglich, die indessen bei den geringen Umfange dieses Zweiges unbedeutende sein können.) behandelten Namensträger ergibt folgende beachtenswerte Zahlen (Hinweis HR: Die nachfolgenden Tabellen basieren auf 1938 – eine spätere Anpassung erfolgt nach Erfassung aller neu erfassten Stammhalter):

 

5. KIRCHLICHES

Die Familie ROCHOLL ist überwiegend evangelisch. Nur zwei Zweige sind infolge Heirat seit 1830 katholisch. Das heißt, die Familie gehörte ursprünglich, soweit sie in Radevormwald zu verfolgen ist, zur reformierten Kirche, und sie verblieb bei ihr auch nach Abwandlung in anderen Gegenden. Fanden „Mischehen“ statt (wie man auch Heiraten zwischen Reformierten und Lutherischen damals nannte), so wurden Söhne nach dem Vater, Töchter nach der Mutter getauft (den Höhepunkt aber stellte es dar, dass 1791 von einem Soester Zwillingspärchen ROCHOLL der Knabe nach dem Vater ref. getauft wurde, das Mädchen aber nach der Mutter luth.), und Sonntags ging man auch so getrennt zur Kirche. Dieser getrennte Kirchgang bestand in Radevormwald auch noch 1938. Zu späterer Zeit wechselten einzelne Familien außerhalb Radevormwalds dort, wo trotz der Union die Trennung zwischen reformierter und lutherischer Kirche noch besteht, zur lutherischen Richtung hinüber.

 

6. FORSCHUNG UND QUELLEN

Die Grundlage für die neuere Forschung bildet die von Louis ROCHOLL überkommene Stammtafel mit ihrem sehr lehrreichen Vorwort. Hierin sagt der Verfasser über die Entstehung seiner Arbeit:

„Die Angaben beruhen, soweit sie die älteren Generationen, namentlich den Stammvater Gottschalk und seine näheren Deszendenten betreffen, auf verschiedenen, zum Teil noch aus dem 19. Jahrhundert herrührenden genealogischen Aufzeichnungen in Hausbibeln und Familienbüchern oder tabellarischen Zusammenstellungen, welche, im Besitz der nachstehenden unter 27b, 40a, 40d, 54a, 41e, 70a verzeichneten Familienglieder befindlich, das unverdächtige Merkmal des Alters an sich tragen und, indem sie in formeller Verschiedenheit sowie auch in kleineren, an betreffender Stelle bemerkten Abweichungen sich als selbständige Notizen kennzeichnen, wiederum in ihrer allgemeinen Übereinstimmung keinen Zweifel an der Richtigkeit lassen. Die neueren Generationen sind dagegen, soweit nicht ein anderes besonders bemerkt, aus fortgeführten Verzeichnissen, aus Kirchenbüchern und Zivilstandsregistern sowie brieflichen Mitteilungen der betreffenden Familienzweige entnommen, deshalb wohl nicht minder beglaubigt.“

Im Vorwort wurde bereits einer weiteren Hinterlassenschaft von Louis ROCHOLL Erwähnung getan, und zwar von Mitteilungen „Vor der Stammtafel“ in Gestalt von Briefen an seinen Bruder Wilhelm ROCHOLL. Es sind außerordentlich anschaulich geschriebene und reizvoll zu lesende Betrachtungen über zahlreiche Glieder der Familie Gottschalk ROCHOLL an. Diese Aufzeichnungen bilden gleichsam die so notwendige Ergänzung zur Stammtafel, deren Liste in der Hauptsache nur Namen und Daten enthält. Weitere Nachrichten irgendwelcher Art von Louis ROCHOLL – wie etwa Belege für Feststellungen oder über deren Herkunft – sind nicht überliefert. Er muss sicherlich Quellen gehabt haben, die heute unbekannt sind, denn von den oben unter den 6 alten Stammtafelnummern erwähnten Zusammenstellungen fanden sich nur noch die von 40a (vgl. den Aufsatz „Der Lippstädter Fund“ von Richard ROCHOLL im NaBl 23) und 54a (vgl. Anh. 03.) vor. Infolgedessen erscheint einzelnes aus seiner Stammtafel unbelegt, wie z.B. die Wissenschaft über die beiden Kinder Johann und Maria des Gottschalk  ROCHOLL, sowie die Angabe über die Herkunft der Frau des Altvaters Bernhard ROCHOLL, Margarethe BAUENDAHL aus Lennep. Bei der großen Gewissenhaftigkeit Louis ROCHOLLs kann es nicht zweifelhaft sein, dass er bestimmt Anhaltspunkte für seine Angabe gehabt hat, und darum wurden solche unbedenklich übernommen.

Die neuzeitliche Forschung wurde in der von Louis ROCHOLL gehandhabten Art und Weise fortgesetzt und in Ihrer Durchführung im Vorwort bereits gestreift. Zur gerechteren Beurteilung der Bearbeitung einzelner Zusammenhänge der älteren Geschlechterreihen müssen die besonderen und außerordentlichen Schwierigkeiten der Forschungsmöglichkeiten in Radevormwald erwähnt werden. Radevormwald war und blieb die Hauptstätte, in der die älteren Familienbeziehungen zu klären versucht werden mussten, wenn sich auch (Wechsel von Namensträgern nach anderen Gegenden) vielerorts neue Forschungsgebiete gebildet hatten. In Radevormwald beginnen die Kirchenbücher der reformierten Gemeinde (nur diese kommen für die Familie in Betracht) erst 1770. Die älteren sind durch den Stadtbrand im Jahre 1802 vernichtet worden. Als Ersatzquellen für die vorhergehende Zeit kommen in der Hauptsache die Kirchen- und die Armenrechtsbücher der reformierten Gemeinde, beginnend im 17. Jahrhundert, in Frage. Sie waren ursprünglich gar nicht für die Feststellung eines Familienstandes bestimmt, auch waren sie in der Vorkriegszeit bereits durchsucht worden, vorzugsweise jedoch nur auf solche Vorgänge hin, die Namensträger ROCHOLL betrafen. So mussten diese Bücher mit ihrer ebenso beredten Sprache, wie dürftigen Beweiskraft 1935 alle erneut herhalten, um zu weiterer Aufhellung der älteren, noch lückenhaften Zusammenhänge beizutragen. Hierbei war es notwendig, den Gesichtskreis auf die Radevormwalder Verhältnisse im weiteren Sinne auszudehnen, das heißt, Familien heranzuziehen, die nachweisbar in verwandtschaftlichen Beziehungen mit der Familie ROCHOLL gestanden hatten (vgl. den Aufsatz „Zur Stammtafel“ von Richard ROCHOLL im NaBl 20).

Die neugewonnenen Ergebnisse wurden planmäßig geordnet und sorgfältig abgewogen. Sie waren im Zusammenhang mit dem in der Vorkriegszeit gesammelten zahlreichen Meldungen dieser oder anderer Herkunft und nach den Erfahrungen in der Bewertung solcher Meldungen aus Rechnungsbüchern nur so zu werten, wie es geschehen ist. Das Gesagte bezieht sich hauptsächlich auf die Festlegung des UR-PETERs als Vater seiner 5 Söhne, ferner auf die Gestaltung des kleineren Hauptastes von Adolph ROCHOLL und die Bildung verschiedener Zweige von Töchternachkommen, schließlich auf die Feststellung einzelner Ahnen.

Sind also in einzelnen vorerwähnten Fällen trotz großer Wahrscheinlichkeit mehr oder minder leise Zweifel an der Zuverlässigkeit der Ergebnisse denkbar, so steht doch die gesamte Nachkommenschaft des Gottschalk ROCHOLL in jeder Beziehung einwandfrei fest. Dasselbe gilt innerhalb ihres Gefüges auch für die Zweige I bis IV, von denen I bis III unter Adolph eingegliedert sind und im Anh. 01 untergebracht ist.

 

7. TÖCHTERNACHKOMMEN IN DER FAMILIE ROCHOLL

Die Frage nach der vollständigen oder teilweisen Wiedergabe oder aber Fortlassung der Töchternachkommen war vor Abfassung des Buches der RADER ROCHOLL von 1938 Gegenstand gründlicher und schwieriger Erwägungen. Im Vorwort wurde ihre ungefähre Zahl mit etwa 8.000 bereits angegeben. Das macht ungefähr den sechsfachen Personenkreis der hier behandelten Namensträger aus. Ferner wurde im Vorwort gesagt, dass Töchternachkommen blutmäßig denselben Anspruch auf Zugehörigkeit zur Familie haben wie die Namensträger und dass ihre Anhänglichkeit gerade in der Familie ROCHOLL häufig zutage trat. Bei aller Anerkennung für die bewiesene Treue kann das Lob nur mit einer gewisser Einschränkung gelten. Es bezieht sich vollgültig in zahlreichen Fällen auf Kinder und Enkelkinder der Gegenwart. Die Anhänglichkeit wird bei Nachkommen 3. und 4. Grades schon erheblich geringer und sie gehört in noch entfernteren Abstammungsverhältnissen zu großen Seltenheiten. Es bestehen in der Familie ROCHOLL Töchternachkommen-Tafeln mit 6 und 7 und gar mehr Geschlechterreihen. Bei nüchterner Betrachtung kann füglich in solchen Fällen kaum noch ein Zugehörigkeitsgefühl oder eine Betätigung in einem Familienverband, geschweige eine Beteiligung an der Abnahme von Familiengeschichten erwartet werden.

Die Erfassung der Töchternachkommen stellt eine vieljährige, ungeheure Arbeit dar. Ihre Veröffentlichung im Rahmen der Geschichte der Familie ROCHOLL wäre vielleicht ein Ereignis auf dem Gebiet der Familienkunde geworden, da es wenige Familien geben wird, die eine derartige Anzahl Nachkommen eines einzigen Stammelternpaares aufweisen können. Ganz auf sie zu verzichten erschien hiernach widersinnig. Eine Zeitlang bestand auch die Absicht eines vollständigen Abdrucks, und es mangelte nicht an verschiedenen Lösungsvorschlägen. Entscheidend für einen Mittelweg war zuletzt die Kosten und Absatzfrage, die in der 1938er Print-Ausgabe zu folgendem Ergebnis führte:

"Die ROCHOLL-Töchter erscheinen gleich den Söhnen – wenn sie Kinder haben – unter neuen Ziffern sowohl in der Übersicht wie in der Liste, in letzter auch ihre Kinder und zwar mit allen Daten und den sonst üblichen Angaben. Weitere Nachkommen wurden nicht aufgeführt. Dagegen erfolgten kurze Hinweise auf die weitere Familienbildung, die karteimäßig im Archiv der Familie ROCHOLL festliegt."

In Fortführung der anstehenden Aufbereitung der 1938er Familiengeschichte in dieser Webseite wird das Thema der "Töchternachkommen" weiterhin, wie zuvor beschrieben, behandelt. Sollten sich im Laufe der weiteren Familienforschung zweck- und sinnvolle Änderungen ergeben, werden diese zu gegebenen Zeit bekanntgegeben.