FRÜHGESCHICHTE DER FAMILIE ROCHOLL

Anm. HR zur Frühgeschichte der Familie ROCHOLL: Um irgendwelchen Unsicherheiten vorzubeugen, wird darauf hingewiesen, dass sich der nachfolgende Text sowie der Basis-Stammtafel auf dieser Seite eine im Jahr 2019 getätigte Abschrift des Kapitels "Frühgeschichte" aus dem Buch von 1938 ist. Sofern neuere und zu korrigierende Forschungserkenntnisse bekannt werden, werden diese entsprechend eingearbeitet und – falls erforderlich – vermerkt.

 
DER BASIS-STAMMTAFEL  – Zeichnung von Richard ROCHOLL

Um einen festen Bau ausführen zu können müssen, müssen seine Grundpfeiler genau geprüft werden. – Die ersten Nachrichten der Familie ROCHOLL stammen nicht aus Kirchenbüchern, sondern aus anderen sehr mannigfaltigen Quellen, deren Ergebnisse verschiedentlich ineinander greifen. Ihre Behandlung im Rahmen der eigentlichen Stammfolge, in der das Datengerippe erscheint, würde verwirrend und unübersichtlich gewirkt haben und war daher nicht angängig. Zur klaren Einführung in die ersten Geschehnisse der Familie erfolgt diese Vorbetrachtung, in der die ältesten Urkunden untersucht und auch Orts- und Zeitgeschehen gestreift werden.

Diese Vorbetrachtung beschränkt sich auf die ersten zwei bis drei Geschlechterreihen nach dem UR-PETER, abgesehen von kleinen Abweichungen wo es geboten schien, noch weiter zu gehen. – Im Anschluss hieran folgt wegen der Namensähnlichkeit mit ROCHOLSBERG eine kurze Besprechung dieser Familie.

RADEVORMWALD
 
Radevormwald-Karte.png
Ortsschild Rochollsberg_2.jpg

Das heutige (2019) RADEVORMWALD mit seinen

verschiedenen Ortsteilen, u.a. "ROCHOLLSBERG"

RADEVORMWALD (siehe auch eine gute Geschichtsab-handlung in Wikipedia) Der Name leitet sich von "Rodung vor dem Walde" ab. Ende des 16. Jahrhunderts war der Ort ein kleines, abseits der großen Verkehrsstraße gelegenes Landstädtchen mit gewerblichem Einschlag. Es hatte rund 3.000 Einwohner, davon etwa ein Drittel bis zwei Fünftel innerhalb der Stadtgemeinde einschließlich der Stadt-pfähle. Neben den ursprünglichen Handwerksberufen, deren Entstehung ein städtisches Gemeinwesen mit anliegender Landwirtschaft mit sich bringt, waren die Herstellung und das Färben von Tuchen bemerkens-wert.

Im Jahre 1591 hatte der Pfarrer Adolph SUNDERMANN die Reformation (nach Calvin) in RADEVORMWALD eingeführt. Mit Ausbruch des 30-jährigen Krieges (1618) begann für die Stadt eine sehr harte Zeit (vgl. die ergreifenden Schilderungen über die Vorgänge in RADEVORMWALD bis zur Beendigung des 30-jährigen Krieges in „Geschichte der ev. ref. Gemeinde zu RADEVORMWALD. Zur Feier ihrer vor 300 Jahren erfolgten Stiftung“ von Pastor Paul KIND, gedruckt von F.W. Försterin, RADEVORMWALD, 1891). In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass sich die lutherische Gemeinde erst 1707 in RADEVORMWALD bildete, die alt-lutherische in neuerer Zeit. 

SUNDERMANN sowie sein Amtsbruder Arnold POLLICH weigerten sich, ihr Bekenntnis zu widerrufen, wurden nacheinander (vgl. POLLICH 1626, SUNDERMANN 1629) verschleppt und mussten einen qualvollen Märtyrertod erleiden. Das gleiche Schicksal ist auch einem Kirchmeister widerfahren. Die Kirche wurde den Reformierten, obwohl sie in RADEVORMWALD die Überhand hatten, abgenommen und erst drei Jahre nach Beendigung des Krieges, am Palmsonntag 1651, wieder zurückgegeben. Im Westfälischen Frieden vom 24.10.1648 war vereinbart worden, dass diejenigen, welche die Kirche 1624 innegehabt hatten, sie behalten sollten. Das waren in RADEVORMWALD die Reformierten gewesen, wie durch beeidetes Zeugnis von angesehenen und vertrauensvollen RADEVORMWALDER Bürgern, die die Wirrsale des Krieges erlebt hatten, bekundet wurde. Unter den Vernommenen befanden sich auch die drei Brüder Peter (Sohn), Gottschalk und Adolph ROCHOLL (vgl. Anh. 15 und Anh. 16) beeidetes Zeugnis von angesehe-nen und vertrauensvollen RADEVORMWALDER Bürgern, die die Wirrsale des Krieges erlebt hatten, bekundet wurde.

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RADEVORMWALD vor dem Brande

A: ref. Kirche, B: luth. Kirche, C: kath. Kirche, D: Schwelmer Tor,
E: Frankfurter Tor, F: 2 Lindenbäume in dem Hof des Pfarrers
E
NGELS, wo dieser in den Flammen umkam.

0000006 RvW nach dem Brande am 24-08-180

RADEVORMWALD nach dem Brande 1802

A: die Ruinen der  ref. Kirche, B: der luth. Kirche, C: die stehengebliebene kath. Kirche, D: einige hoch über die Stadtmauer hervorragende Schornsteine und Mauern. Die kleinen Ruinen können wg. der Stadtmauern nicht gesehen werden. (vgl. Anh. 36a

RvW Kirchgelände

Reformierte Kirche und Friedhof zu RADEVORMWALD vor dem Brande – vgl.– Anh. 35b

 
DER VATER DES UR-PETER

Die älteste Nachricht über einen ROCHOLL in Radevormwald stammt aus den Jahren 1590 und 1591 (vgl. Anh. 4.) und betrifft den UR-PETER und nicht seinen Vater. Erst eine spätere Meldung von 1599 (vgl. die Basis-Stammtafel am Anfang dieses Artikels sowie Anh. 6) gibt nachstehenden Hinweis über den Vater „Muller vor der Brugge zu Bienb.“ (=Beyenburg): 

Ob der Vater des UR-PETERs bereits ROCHOLL hieß, ist mindestens zweifelhaft; der Sohn (UR-PETER) führte den Namen als Familiennamen jedenfalls sicher. Die Familiennamen kamen in jener Zeit erst auf und bildeten sich aus verschiedensten Ursachen (vgl. Kapitel „Allgemeines“ dort unter "2. Namen“). Die Bezeichnung „Muller vor der Brugge“ deutet in erster Linie darauf hin, dass der Vater Müller vor der Brücke zu Beyenburg war. In der Urkundensammlung der Familie ROCHOLL befindet sich Briefwechsel und Auszüge über die Feststellungen der Beyenburger Mühlen und ihrer Besitzer, aus denen sich aber bislang keine festen Ergebnisse ableiten ließen. Der Vater könnte nach seinem Beruf auch Müller geheißen haben, doch lässt sich darüber nichts Sicheres sagen, da über ihn sonst nichts bekannt geworden ist. Jedenfalls ist er – leider ohne überlieferten Vornamen – als Stammvater der Familie unter der Bezeichnung „MULLER VOR DER BRUGGE ZU BIENB.“ anzusehen. Nach der Urkunde hat er offenbar 1599 noch gelebt, und er könnte, wenn man 1565 als Geburtsjahr des UR-PETER ansetzt, um 1535 geboren sein.

 
 
DER UR-PETER

Nach dem Vorangegangenen dürfte seine Wiege nicht in Radevormwald gestanden haben, sondern in Beyenburg Er siedelte sich in Radevormwald an und ist der erste bekannt gewordene Träger des Familiennamens ROCHOLL überhaupt.

Bei den bereits erwähnten beiden ersten Vorgängen vom 19.2.1590 und 17.6.1591 handelt es sich um einen Rechtsstreit über ein Grundstück des UR-PETER, wobei sich sein Widersacher „CLAS IM GARTERHAUß“ erweist (Abschrift über diesen Streit siehe nachstehend). Ob Clas damals schon sein Schwager war oder es erst später wurde, ist allerdings fraglich. Aus den Urkunden geht zum mindesten hervor, dass der UR-PETER neben einem Grundeigentümer mit Namen ROCHOLSBERG ein Haus baute. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird hiermit – zumal auch nach den Geburten seiner Kinder zu urteilen – die Gründung eines eigenen Hausstandes, das heißt sein Eintritt in den Ehestand, verbunden gewesen sein, so dass sein Geburtsjahr um 1565 gelegen haben könnte.

Weiterhin ist ein Gerichtsurteil aus dem Jahre 1599 (nochmals hier der Verweis auf den nachstehend wiedergegebenen "Streit zw. dem UR-PETER und Claiß KUEPER“ - auch dargestellt in Anh. 6) erwähnenswert, das für die Beweisführung hinsichtlich des Vaters des Ur-Peter auch bereits angezogen wurde. Hiernach war es UR-PETERs Gattin eine mit Vornamen unbekannt gebliebene Schwester des Claiß KUEPER verheirateten Drude (Gertrud) MEUTERS (Munters). Beide Schwäger geraten erneut, und zwar diesmal als Erben nach dem Ableben ihres Schwiegervaters Sibell MEUTERS (Munters), Schuhmacher zu Radevormwald, über ein Haus in Meinungsverschiedenheiten. Beide Teile, das heißt der UR-PETER und Claiß mit seiner Frau, werden wegen Ungebühr in eine Ordnungsstrafe von 3 Gulden genommen.

Ein anderer Vorgang, gleichfalls von 1599 (vgl. Anh. 5, „Hausverkauf von SUNDERMANN an MUMHAGEN“), gibt Kunde vom Verkauf eines Hauses „Das Newenhauß“ genannt und zwischen den Grundstücken der vorgenannten feindlichen Schwäger gelegen. Verkäufer ist der damalige Pfarrer Adolph SUNDERMANN, Ersteher sind die Eheleute Wilhelm und Wilhelmine MUMHAGEN. Diese Nachricht besagt mehr als es den Anschein hat. Das zeitweise Nebeneinanderwohnen von SUNDERMANN und dem UR-PETER scheint die Ursache einer engen Freundschaft gewesen zu sein. Sie äußerte sich später dadurch, dass der UR-PETER langjähriger und tatkräftiger Kirchmeister unter SUNDERMANN wurde. Wahrscheinlich erlitt er dasselbe Schicksal wie jener, wie noch im Folgenden näher ausgeführt werden wird.

Urschrift über den Streit zw. dem UR-PETER und Claiß KUEPER

0000009_Streit_Ur-Peter_und_Claiß_Kueper

Abschrift nebenstehender Urkunde über den Streit

Text: Lippisches Landesarchiv, Detmold Nr. 172

Brüchten des Ampts Bienburgh

Die Erbgenamen weilandt Sibylle Schuhmachers zu Radt, der Mullersche Sohn vor der Burgen eins, und Drude Meuters (Munter) sampt ihren Zuständern anderenteils, haben allerhand Tathandlung mit vermeintlichem Opprorhenderen der Possession, des hinterlassenen Hauses allda begangen, also daß daraus groß Wappengeschrei und Ärgernis in der Nachbarschaft entstanden.

Peter Muller vor der Burgen zu Biene. (Beyenburg)    3 ggl.

Rockholl zu Radt

Drude Meuters (Munters) und Claiß Kueper             3 ggl.

0000010_um_1600_Übersicht_benachbarter_H

Jedoch hat die angeführte Nachricht noch eine andere Bedeutung: Mit „Newenhauß“ ist zweifellos einem bestimmten Gebäude der Name „neues Haus“ verliehen worden, ein Name, der nach 33 Jahren in einem Erbteilungsvertrag (vgl. Anh. 9, „Erbvertrag MOLLin sehr ähnlicher Form, nämlich „Riggenhuß“, wiederkehrt. – Nach der angezogenen Urkunde setzt sich die Witwe Christine MOLL, anlässlich des Ablebens ihres Sohnes Hans, mit dessen Witwe, also dessen Schwiegertochter Maragrete MOLL auseinander. Ihr Schwiegersohn Gottschalk ROCHOLL, Ehegatte ihrer Tochter Maragrete, wird in dem Vertrag als Gläubiger gleichfalls erwähnt. Christine war mit Gottschalk MOLL verheiratet gewesen, was aus einem Pachtvertrag vom 10.4.1615 hervorgeht. Bei der Auseinandersetzung teilen sich die beiden Witwen in ein „Riggenhuß“, offenbar das von dem Ehepaar MUMHAGEN einstmals (1599) erworbene „Newenhauß“. Macht man diese Annahme, so ergeben sich die weiteren Folgen zwangsläufig. Die Christine war eine Tochter des Ehepaares MUM-HAGEN, verheiratete sich mit Gottschalk MOLL, und beide wurden Mit-bewohner und Erben des „Newenhauß“, auch „Riggenhuß“ genannt. Dieses lag aber bekanntlich zwischen den Häusern des UR-PETER und seines Schwagers Claiß KUEPER. Es wohnten also der UR–PETEund Gottschalk MOLL Haus an Haus. Wenn wir nun finden, dass die Tochter des Gottschalk MOLL einen Gottschalk ROCHOLL zum Manne hatte, ist der Schluss nicht fernliegend, dass er der Sohn des UR–PETER gewesen ist.

Margarete MOLL und Gottschalk ROCHOLL waren nebeneinander aufgewachsen und ein Paar geworden. Ja, Gottschalk MOLL wird bei der Taufe des Sohnes Gottschalk seines Freundes und Nachbarn Peter ROCHOLL Gevatter gestanden haben. Der erwähnte Rechtsvertrag (vgl. Anh. 8: „Verpachtung einer Wiese an Gottschalk MOLL“) lässt auch deutlich erkennen, dass Gottschalk MOLL seinen Färberberuf auf seinen Schwiegersohn Gottschalk ROCHOLL übertragen hat; sein Patenkind wird also wohl bei ihm in der Lehre gewesen sein.

Auch andere Gründe machen es beinahe zur Gewissheit, dass Gottschalk ROCHOLL der Sohn des UR-PETERs war. Zunächst ist neben dem UR-PETER kein anderer Träger des Namens ROCHOLL vorhanden, der als Vater in Frage käme. Da der UR-PETER ja von auswärts zugezogen war, kann das nicht Wunder nehmen. Dann nennt Gottschalk seinen ältesten Sohn PETER, was durchaus auf einen Großvater PETER schließen lässt. Weiterhin macht Gottschalk Ansprüche geltend an die Nachkommen des Pfarrers POLLICH, die auf Darlehen in der Verfolgungszeit zurückgehen. Darlehen hat aber wohl nur der Kirchmeister PETER ROCHOLL (der UR-PETER) dem bedrängten Geistlichen oder seiner Familie und nicht der junge Gottschalk gegeben, der nur die Ansprüche – doch von seinem Vater – geerbt haben wird. 

So treten eine ganze Reihe von Umständen zusammen, die in ihrer Häufung die Abkunft des Gottschalk vom UR-PETER zur Gewissheit machen und damit auch die mehrerer anderer gleichzeitig mit ihm lebender Namensträger. Diese werden ausschließlich als Brüder (vgl. Anh. 11, „Hermann-Stiftung“) bezeichnet, wie PETER und Hermann, oder sie werden durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb, wie Gottschalk und Adolph, oder durch Spuren von familiären Beziehungen, wie PETER und Gottschalk, als Brüder ausgewiesen. Die Familienüberlieferung spricht ausdrücklich von Brüdern Gottschalks, wenn sie auch an anderen Orten gelebt haben sollen. Der UR-PETER heiratete, wie bereits erwähnt, um 1590/91. Es wurden geboren (errechnet nach den Verhören – vgl. Anh. 15, „Verhör von Peter ROCHOLL Sohn“ und Anh. 16, „Verhör von Gottschalk und Adolph ROCHOLL dem Älteren): 1592 PETER (Sohn), 1593 Gottschalk und 1600 Adolph. PETER (Sohn) nennt seinen mutmaßlichen einzigen Sohn PETER (der spätere „auf dem Berg“), und in der Adolph-Linie spielt der Name Peter (als Peter Bäcker der Ältere und Jüngere) eine große Rolle. Dass PETER (Sohn) (vgl. Anh. 15 – wie vor), Gottschalk und Adolph (vgl. Anh. 16 – wie vor) nach dem Dreißigjährigen Kriege eidlich über die kirchlichen Zustände in Radevormwald werden, mag wohl damit zusammenhängen, dass sie als Söhne des Kirchmeisters jener Tage am besten Aussagen konnten. – Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass zu den genannten Brüdern aus ähnlichen Erwägungen ohne Zweifel noch ein Friedrich gehörte, von dem noch gesprochen werden wird.

Die vorgebrachten Gründe stellen keine zwingenden, untrüglichen Beweise dar, machen aber die Sachlage in einem Maße wahrscheinlich, dass sie der Darstellung zugrunde gelegt werden können.

Über das berufliche Wirken des UR-PETER lässt sich aus den kurzen, den Rechnungsbüchern der reformierten Gemeinde entnommenen Meldungen sagen, dass er Handelsmann im weiteren Sinne war und dabei auch seine Gemeindemitglieder unter anderem mit Schuhwerk versorgte. Dieses Handwerk wird er von seinem Schwiegervater Sibell MEUTERS (Munters), der als Schumacher bezeichnet wird, übernommen haben. Kirchmeister war er 1605/06 und 1619, oberster Kirchmeister vermutlich 1612-1617, bestimmt jedoch 1614/15. In diesen Jahren heißt es: „1615 item Peter ROCHOLL seiner Arbeit zu gedenken 10 Thaler.“ – So hat sich der UR-PETER wohl wegen seiner Tüchtigkeit und seines einsatzbereiten Mutes eine angesehene Stellung in der Gemeinde verschafft und sich und seinen Nachkommen den Eintritt in die Kreise der Ratsverwandten ermöglicht, das heißt zu den Familien, die in einem gewissen Kreislauf die städtischen und kirchlichen Ehrenämter, wie Bürgermeister, Richter, Schöffe, Kirchmeister, Provisor usw. verwalteten und zur Oberschicht der Bevölkerung zählten. Der UR-PETER bestätigte sich als Kirchmeister, Peter (Sohn) mehrfach als Bürgermeister, Richter und Ältester, Gottschalk und Adolph als Provisor, Peter (Enkel) wiederholt als Bürgermeister und so fort. Ob der UR-PETER der mit den beiden Pfarrern verschleppte und gleichfalls getötete Kirchmeister war (wie es von einem Kirchmeister behauptet wird), ist nicht erwiesen, aber sehr wahrscheinlich. Als Kirchmeister, Freund und Helfer von SUNDERMANN, war er den Gegnern der Reformierten in Radevormwald zu mindestens stark verdächtig. Den Ausschlag für seine Festnahme wird vielleicht die Tatsache ergeben haben, dass er ein Abwehrschreiben vom 04.03.1626 neben verschiedenen Einzelunterzeichnern nicht nur für sich, sondern auch für zwei andere, die wahrscheinlich des Schreibens unkundig waren, unterschrieben hat. In diesem Schreiben verwahrten sich die Reformierten dagegen, dass sie die Veranlassung gegeben hätten zu Schlägereien zwischen Soldaten und katholischen Bürgern einerseits und den Reformierten anderseits wegen des gemeinsamen Gebrauchs der Kirche und den Besitz des Kirchenschlüssels. Die letzten Unterschriften lauten wörtlich: „Claß KUEPER (wiederum sein Schwager), Peter ROCHOLL so auch geschriewen, Gangolf von der Heide, Joh. Graffweg. Ich Peter ROCHOLL vor die beiden unterschriewen.“ – Hiernach hatte man ihn wohl als den geistigen Urheber der Eingabe angenommen.

DIE KINDER DES UR-PETERs

Vor näherem Eingehen auf die Nachkommenschaft des UR-PETER wird auf die Kopfsteuerlisten mit Erläuterungen (vgl. Anh. 23, „Kopfsteuerlisten von Radevormwald vom 22.01.1663 und 30.09.1673") besonders hingewiesen. Sie geben ein aufschlussreiches Bild über die Familienverhältnisse und manches andere. Da sie erst in neuster Zeit (bezogen auf 1938) bekannt wurden, waren sie nachträglich eine willkommene Ergänzung und Bestätigung für gefällte Entscheidungen.

 
 
PETER (SOHN)

Trotz der wenigen Nachrichten über ihn tritt er doch als scharf ausgeprägte Persönlichkeit hervor. Seine besten Mannesjahre und zugleich sein ganzes Wirken fielen in die Wirrnisse des Dreißigjährigen Krieges, in dem es sicher nicht einfach gewesen ist, Ämter wie das des Bürgermeisters, des Richters und des Gemeindeältesten zu verwalten. Die „Hermann-Stiftung“ (vgl. Anh. 11) aus der sich sein Bruderverhältnis zu Hermann erklärt, zeugt aber auch von seinem Brudersinn und seiner Mildtätigkeit.

Sie bestimmt als die Zeit seines Ablebens das Jahr 1652. Aus anderer Ursache wird auf sie noch zurückgekommen. – Sein mannhaftes Eintreten für seine Vaterstadt erwarb ihm das volle Vertrauen seiner Mitbürger. Er wurde neben dem Pfarrer der reformierten Gemeinde zu dem schweren Gang zur Synode in Solingen am 16.4.1646 (vgl. Anh. 14: „Vollmacht für den Pfarrer und den Richter Peter ROCHOLL Sohn, als Abgeordnete der Gemeinde zur Synode Solingen“) ausersehen und am 04.04.1648 als bester Sprecher zum Verhör über die Religionsverhältnisse in Radevormwald um 1624 (vgl. Anh. 15: „Verhör von Peter ROCHOLL Sohn“) nach Solingen abgeordnet.

Über Namen und Daten seiner Gattin ist nichts bekannt geworden. Nach der Eheschließung seiner Tochter Margaretha im Jahre 1652 zu urteilen, wird er vor 1625 geheiratet haben.

GOTTSCHALK

Er galt früher nach der alten Stammtafel von Louis ROCHOLL als Stammvater der Familie. Noch jetzt (Anm. HR: 1938) bildet seine Nachkommenschaft den weitaus größeren Hauptast neben den kleineren seines jüngeren Bruders Adolph. Die über ihn, Gottschalk, bekannt gewordenen Nachrichten lassen ihn klar hervortreten. Er war hauptsächlich Geschäftsmann, Tuchmacher und Färber. Diesen Beruf hatte er, wie bereits erwähnt, von seinem Schwiegervater Gottschalk MOLL übernommen (vgl. Anh. 8: Verpachtung einer Wiese an Gottschalk MOLL“). Von seinem Opfersinn zeugt eine Schenkungsurkunde (vgl. Anh. 10: „Schenkung von Gottschalk ROCHOLL“). Wenn er auch nachweisbar 1638 Provisor der reformierten Gemeinde war und 1651 als Zeuge über die Religionsverhältnisse in Radevormwald um 1624 verhört wurde (vgl. Anh. 16a Nr.6: „Verhör von Gottschalk und Adolph ROCHOLL dem Älteren – Godtschalk ROCKOLT“), so tritt er sonst im öffentlichen Leben weniger hervor, als beispielsweise sein älterer Bruder Peter (Sohn).

Es lassen sich nur Vermutungen anstellen wann Gottschalk seine Ehe mit Margaretha MOLL schloss. 1632 war er jedenfalls verheiratet (vgl. Anh. 9: „Erbvertrag MOLL“). Zu dieser Zeit stand er im 39. Lebensjahr. Bei der zeitlichen Schätzung seiner Eheschließung ergeben sich unter Berücksichtigung des Heiratsalters seiner Frau, ihrer dem Alter nach begrenzten Zeugungsfähigkeit und der Tatsache, dass der jüngste Sohn Bernhard erst 1645 geboren wurde, die Jahre 1620 bis 1622. Andererseits kommt als späteste Zeit das Jahr 1624 in Betracht, und zwar nach der mutmaßlichen Geburt seines ältesten Kindes Christine, wie im Nachfolgenden noch näher ausgeführt werden wird. Nach allem wird eine lose Festlegung auf 1620 bis 1624 der Wahrscheinlichkeit nahekommen.

 
ADOLPH
 

Im Verhör von 1651 (vgl. Anh. 16b, Nr. 7: „Verhör von Gottschalk und Adolph ROCHOLL dem ÄlterenAdolff ROCKHOL sagt ...“) bezeugt Adolph eingangs, dass er 1600 geboren wurde und 1625 geheiratet hat. Um die Weiterentwicklung nach ihm darzulegen, bedarf es, abweichend von vorangegangenen Fällen, einer gleichzeitigen Betrachtung von Adolph, seinem Sohn und seinem Enkel, zumal diese auffallend schnell hintereinander folgen. Hierzu wird auf die Kopfsteuerlisten  (vgl. Anh. 23, Bl. 92, 95 und 236)  und die „Claß VON DAHLHAUSEN–Stiftung(vgl. Anh. 12) hingewiesen. Diese Quellen ergeben zwangsläufig folgendes Datenbild, denn diesem liegt die Tatsache zugrunde, dass der Enkel Peter (Bäcker) 1663 mindestens 15 Jahre alt gewesen sein muss (vgl. Anh. 23, Bl. 95):

  1. Adolph der Ältere1600, † vor 22.1.1663; ⚭1625 mit Entgen (? VON DAHLHAUSEN), ★  (_), † nach 22.1.1663.

    Deren Sohn:

  2. Adolph der Jüngere, um 1626, † zwischen 1673 und 1678, um ⚭1646 mit Margarethe ★  (_), † um 1682.
    Deren Sohn wiederum:

  3. Peter (später genannt Peter Bäcker), ★   um 1647, †19.1.1695, ⚭ vor 1673 mit Margarethe  (_), † 29.01.1697
    (Diese Nachricht ergibt sich aus einer anderen Quelle – Anm. HR: Quelle unbekannt).

Für die ehemals von Claß VON DAHLHAUSEN eingeführte Stiftung tritt nach seinem Tode zunächst Adolph der Ältere in seiner Eigenschaft als Schwiegersohn im Jahre 1638 ein. Als solcher ist er nach den allgemeinen Erfahrungen in der Auslegung solcher Vorgänge (nämlich Fortsetzung der Zahlung) mit großer Wahrscheinlichkeit anzusehen. Er zahlt nachweisbar alljährlich bis 1660/61 weiter und vermutlich noch bis zu seinem vor dem 22.01.1963 erfolgten Tode. Ab 1660/61 fehlen die Rechnungsbücher bis 1678. Von diesem Zeitpunkt setzt Adolphs Witwe die Zahlung der Stiftung fort. Die Frage welche Witwe weiter zahlt, Entgen (des Älteren) oder Margarethe (des Jüngeren), ist ungelöst, aber auch nicht so wichtig. Da Peter (Bäcker) als Enkel die Stiftung 1682 übernimmt, ist mit einiger Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sie nach dem Ableben von Adolph dem Älteren der Jüngeren fortsetzte und nach ihm 1678 seine und nicht des Älteren Witwe. Entscheidend jedenfalls dafür, dass sich die Auszahlung der Stiftung vom Vater wahrscheinlich auf den Sohn, bestimmt aber auf den Enkel forterbte, ist ihr immer gleicher Wortlaut und gleicher Betrag auch in späterer Zeit, in der dieselbe Stiftung immer wieder eine Rolle spielt.

Auch die übrigen vorliegenden Meldungen lassen keine Trennung in der Behandlung von Vater, Sohn und Enkel zu. Die erste besagt, dass Adolph der Ältere und der Jüngere mehrere Male aus den „Burger-Zwanckmullen“ Erträgnisse entnehmen, und zwar der Ältere am 11.01. Weizen, am 08.02. Hafer und Breimehl, am 16.08. Korn, am 05.09. Hafer, am 14.11. Breimehl, und der Jüngere am 13.06. Korn und Malz und am 19.09. ebenfalls Korn und Malz. Hiernach hat es den Anschein, dass Vater und Sohn – vielleicht gemeinsam – Bäckerei betrieben. Adolph der Ältere lieferte sogar am 05.03.1643 auf Kosten der Gemeinde für 4 Gulden, 14 Albus Brot an die Armen. Der Jüngere nahm vielleicht – wegen des Malzbezuges – Branntweinbrennerei hinzu. Das ist umso wahrscheinlicher, als dessen Sohn, Peter (Bäcker) als Branntweinkrämer in den Kopfsteuerlisten (vgl. Anh. 23, Bl. 236) bezeichnet wird. Bäckerei und Branntweinkrämer waren in jener Zeit häufig verbunden. Die weiteren Nachrichten lassen nicht recht erkennen, ob darin Adolph Vater oder Sohn gemeint ist. Neben einigen Erbangelegenheiten, die Forderungen und Zahlungen betreffen, handelt es sich am 12.06.1662 um die Teilnahme eines Adolphs am Sendgericht zu Radevormwald und am 15.11.1662 um die betrübliche Tatsache, dass ihm von einer Frau „Kappes“ (= Weißkohl) gestohlen wurde. Dieser Vorgang hat zwar keine familienkundliche Bedeutung, doch wäre der Zeitpunkt dann bemerkenswert, wenn der Leidtragende der am 22.01.1663 als bereits verstorben erkannte Adolph Vater gewesen sein sollte.

In diesem Zusammenhang ist noch die weitere Entwicklung nach Adolph dem Jüngeren zu verfolgen. Er hatte außer dem bereits behandelten Sohn Peter (Bäcker) wahrscheinlich noch 2 Kinder: 

Eine Nachricht besagt: „Am 13.10.1666 erscheint Adolph ROCHOLL im Namen seiner Tochter vor dem Stadtgericht: “Der Vorname dieser Tochter ist nicht bekannt geworden. Sie war vermutlich mit Arnold ROCHOLSBERG verheiratet, was aus der „Claß VON DAHLHAUSEN–Stiftung“ geschlossen wurde. Diese setzte, wie bereits erwähnt, nach Adolph dem Jüngeren seine Witwe bis 1682 fort, danach ihr Sohn Adolph Peter (Bäcker) bis zu seinem Ableben 1695, dann (1697 – 1699) dessen Kinder und 1700 Arnold ROCHOLSBERG bis zu seinem Tode 1717. Der Wechsel von 1700 ist nur so zu erklären, dass die Kinder von Peter (Bäcker) die Weiterzahlung – vielleicht aus wirtschaftlichen Gründen – einstellen mussten und ihr besser gestellter Onkel, der Bürgermeister und Richter Arnold ROCHOLSBERG, sich veranlasst sah, diese Familienüberlieferung aufrechtzuerhalten, dass heißt im vorliegendem Fall, hier einzuspringen. Aus diesen Vorgängen wurde wenigstens die erwähnte Eheschließung gefolgert. Da die Hochzeit bereits am 17.05.1679 stattfand, so kann Arnold ROCHOLSBERG nur Schwager, keinesfalls Schwiegersohn von Peter (Bäcker) gewesen sein.

Als 3. Kind von Adolph dem Jüngeren wurde Adolph eingeordnet. Seiner Eingliederung an dieser Stelle liegen allein sein Vorname und seine als Sohn von Adolph dem Jüngeren passenden Lebensdaten zugrunde. Er war Landmann auf Hulverscheid bei Radevormwald, entleiht am 30.11.1715 das große Leichentuch und stirbt am 17.11.1721. Am 16.10.1730 zahlen seine nachgelassenen Kinder für das große Leichentuch einen Betrag, segnet also auch seine sonst unbekannte Witwe das Zeitliche. Weiteres ist von ihm nicht bekannt geworden. Er ist jedenfalls als Stammvater der späteren Hulverscheider ROCHOLLs anzusehen (vgl. Anmerkung unter Sth [0501100]: „Adolph, LANDMANN zu Hulverscheid“)

Die Kinder von Peter (Bäcker) ergeben sich wiederum aus folgenden Nachrichten: Am 03.12.1709 beteiligt sich ein Peter ROCHOLL (Bäcker) als Junggeselle bei der Stiftung von neuen Tafeltüchern für die reformierte Kirche (vgl. Anh. 30:  „Stiftung von Tafeltüchern“) und am 26.04.1710 werden auf der Hochzeit von Peter ROCHOLL (Bäcker) 20½ Stüber für die lieben Armen gesammelt. Unzweifelhaft handelt es sich hier um den Sohn von Peter (Bäcker) dem Älteren (†1695). – Andererseits vereinnahmt Johannes Christoph ROCHOLL als Provisor der reformierten Gemeinde am 19.12.1707 von „seinem Bruder“ Peter, nachdem dieser eine Reise vollendet hatte, einen Gottesheller und entleiht Peter „wegen seines Bruders Adolph“ (Ableben) am 02.03.1728 das große Leichentuch. – Hernach sind Adolph, Johannes Christoph und Peter als Brüder und folglich auch als Söhne des älteren Peter (Bäcker) erwiesen. Bis zu einem gewissen Grade wird diese Tatsache noch erhärtet durch die Wahl der Vornamen des jüngeren Peter (Bäcker) für seine Kinder, nämlich Johann Christoph Peter und Johann Peter (vgl. Stammhalter [0705500] und [0705600]).

Schließlich ist über die Gleichsetzung von Peter (Bäcker) dem Jüngeren mit Peter ROCHOLL, dem Stammvater des früheren Zweiges I, noch einiges zu sagen. – Ein Peter Rocholl zahlt 1714, 1722, 1726 Beträge für Entleihung von Leichentüchern, war 1717 Provisor und bezieht 1729, 1733, 1734 und 1737 Kalk von der reformierten Gemeinde. Danach verschwindet er aus Radevormwald, zumindest erscheint er nicht mehr in den Rechnungsbüchern der reformierten Gemeinde. Er wird Radevormwald verlassen haben – vielleicht weil er Witwer war – und nach Gemarke bei Barmen verzogen sein, wo sein älterer Sohn Johann Christoph Peter Anstellung als Lehrer gefunden hatte. Dort stirbt er auch am 07.01.1761 „80 Jahre und 6 Monate minus 7 Tage alt“. Die ganzen Nachrichten und Daten über Peter (Bäcker) den Jüngeren, Peter ROCHOLL 1714 – 1737 in Radevormwald und den Stammvater des früheren Zweiges I, Peter ROCHOLL, passen so auffallend zusammen, dass an der Gleichsetzung der 3 Genannten nicht gezweifelt werden kann.

FRIEDRICH UND HERMANN
 

Die Nachrichten über diese beiden Söhne des UR-PETER sind recht mager. Friedrich verkaufte der reformierten Gemeinde 1629 ½ Pfund Wachs, war also Kaufmann, und seine Witwe zahlt 01.05.1653 eine Gartenpacht. Damit sind die unmittelbaren Nachrichten erschöpft. Eine Margit ROCHOLTZ (Raucholz) verkauft sehr ähnliche Artikel, und zwar am 06.08.1644 ½ Pfund Kerzen, zum Christfest 1645 ein Pfund Kerzen und am 05.01.1646 "1 Ort" Tran an die Kirche. Aus diesen Angaben wurde gefolgert, dass es sich hier um Friedrichs Gattin handelt, er selbst vor 1644 gestorben ist, und seine Frau sein Geschäft fortführte. – Für seine Geburt lag keine Angabe vor. Es liegt nahe,  Friedrich  zwischen Gottschalk und Adolph einzureihen. – Kinder wurden nicht ermittelt, wären aber durchaus möglich (vgl. Anh. Nr 1a, „Namensträger Rocholl aus Rade-vormwald, die in die dargestellte Stammfolge nicht einzugliedern waren“, dort unter a. „Einzelmeldungen oder mehr oder weniger bündige Zusammenhänge“).

Hermann: Sein Name erscheint lediglich in der sogenannten „Hermann-Stiftung(vgl. Anh. 11), wonach er um 1637/38 – vermutlich ledig – gestorben ist. Sonst ist über ihn nichts bekannt geworden. Vielleicht war er der jüngste Sohn des UR-PETERs und der Lieblingsbruder von Peter (Sohn), der deshalb Hermanns Verpflichtungen übernahm.

KINDER VON PETER (SOHN)
 

Als solche sind Margarethe und Christine erwiesen und gelten Peter (auf dem Berge) und Gertrud mit größter und geringerer Wahrscheinlichkeit. Mit Peter (auf dem Berge) starb der Zweig des Peter (Sohn) in der Manneslinie vermutlich aus. Dagegen fließt noch heute in den Nachkommen seiner Tochter Margarethe, und zwar in großen Teilen bekannter Elberfelder Familien, wie WICHELHAUS, WÜLFING, KEETMAN, GREEFF, SCHOELER und anderen mehr, sein Blut.

Margarethe: Ihretwegen sei erneut auf die „Hermann-Stiftung(vgl. Anhang Nr. 11) hingewiesen. Hiernach gestalten sich die Fortsetzungen der Zahlungen wie folgt: Von 1638 bis 1651/52 Peter (Sohn), von 1652/53 seine Erben und ab 1655 bis 1657 dieselben mit dem ausdrücklichen Zusatz „jetzt und Nikolas VOLKMANN“. Auch diese setzt Nikolaus VOLKMANN fort. Da nun laut Kirchenbuch der reformierten Gemeinde zu Kettwig im September 1652 „Nikolas VOLKMANN und Margaretha RAUCHOL aus Rad vorm Wald“ heirateten, ist erwiesen, dass Nikolaus VOLKMANN in seiner Eigenschaft als Schwiegersohn die Zahlung fortsetzte, und das Margarethe tatsächlich die Tochter von Peter (Sohn) war.

Christine heiratete Anfang August 1662 Christoph VON MARSCHEID (vgl. Anh. 17, „07. und 08.08.1662. Christoph VON MARSCHEID wird, weil bei seiner mit Christine ROCHOLs (0400400) gefeierten Hochzeit über die Gesetze gehopt*, in Strafe genommen“. –  *ursprüngliche Anm.: „Veranstaltung zu großer Hochzeitsfeier, wobei die jungen Leute zu viel gesoffen, sich über die Straße spielen lassen.“), der aus den beiden Nachrichten vom 29.11.1662 (vgl. Anh. 18) als Schwiegersohn von Peter (Sohn) klar hervorgeht. Infolgedessen steht also auch Christine als seine Tochter fest.

Peter (auf dem Berge) als seinen Sohn zu erweisen, stellt sich schwieriger. Mit der Bezeichnung „auf dem Berge“, die ihm zweifellos zum Unterschiede von mehreren Namensvettern zugelegt worden war, wurde offenbar eine Hauslage gemeint. – Die Gegend der heutigen Lindenstraße in Radevormwald soll früher „auf dem Berge“ geheißen haben. – Die erste Nachricht über ihn stammt aus den Kopfsteuerlisten (vgl. Anh. 23, Bl. 98). Hiernach war er 1663 bereits verheiratet, und zwar mit Agneta, geb. (nicht bekannt). Die zweite Nachricht vom 06.10.1666 (vgl. Anh. 20) gibt Kunde von einem Vergleich nach einem Streit, bei dem sein Widersacher Christoph VON MARSCHEID war. Anscheinend handelt es sich hier wieder um die Schlichtung einer Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Schwägern. Nach der gesamten Beweisführung sieht es jedenfalls so aus. –Schließlich gibt Peter (auf dem Berge) 1671 eine beachtliche Vermögenserklärung über fünf ihm gehörende Grundstücke ab (vgl. Anh. 22: „Besitztum von Peter auf dem Berg“). Keines derselben deutet auf eine Verbindung mit einer Wohngegend „auf dem Berge“ hin, und doch müssen Beziehungen der Familie Peter (Sohn) hierzu bestanden haben (vgl. Anh. 18, 1. Meldung). Auffallend ist es, dass nach dem Ableben von Peter (Sohn) der Schwiegersohn VOLKMANN die „Hermann-Stiftung“ fortsetzt und nicht der vermeintliche Sohn Peter (auf dem Berge). Vielleicht war er 1655 noch nicht mündig, oder seine Mittel waren damals noch schwächer.

Bei den nachfolgenden Betrachtungen handelt es sich um einen Peter ROCHOLL ohne den Zusatz „auf dem Berge“, der aber dem ersten vermutlich gleichzusetzen ist. Am 10. 3.1666, also zeitlich ein halbes Jahr vor dem Streit zwischen Peter (auf dem Berge) und Christoph VON MARSCHEID, treibt ein Peter zu Fastnacht Unwesen (vgl. Anh. 19). Dieses lässt den Schluss zu, dass es sich um ein und dieselbe Person gehandelt hat. – Unter dem 21.04.1687 wird ein Peter als Pate bei einer Taufhandlung in der lutherischen Gemeinde Remlingrade erwähnt, und ebenda heiraten am 14. Sonntag nach Trinitatis 1690 „Henrich HÄNSE und Elisabeth ROCHOL, Selig Peter ROCHOLs Bürger zu Radevormwald eheliche Tochter“. Elisabeth ROCHOLL war in derselben Gemeinde bereits am 1. Sonntag nach Trinitatis „a parentibus reformatis prima vice communiziert“ worden (Anm. HR nach Rücksprache mit einem befreundeten Hamburger Pastoren kann dies wie folgt gedeutet werden: "Elisabeth ist von ihren reformierten Eltern am 1. Sonntag nach Trinitatis zum ersten Mal "kommuniziert" [bzw. in die Gemeinde eingeführt oder zur Kommunion gebracht] worden). Mithin starb dieser Peter zwischen 1687 und 1690. Er ist keinesfalls mit seinen Zeitgenossen Peter (Enkel) und Peter (Bäcker), die nachweislich später starben, zu verwechseln.

Gertrud: Die Beweisführung für diese als Tochter von Peter (Sohn) ist schwach, aber immerhin erwähnenswert. Ihre Abstammung wurde daraus gefolgert, dass das Ehepaar Hermann MEININGHAUS und Gertrud ROCHOLL laut einer längeren Schenkungsurkunde vom 11.03.1711 den Armen der reformierten und lutherischen Gemeinde großherzigerweise ein Stück Land vermacht. – „Unser Garten an der Hohestraßen´, wie er daselbst in seinen Bänken und Pfaelen an der Scheffen Johannen BAUENDAHLs Campe lieget, an des Herrn DR. ALHAUSENs Garten anschließet.“ – Die Beschreibung dieses Gartens weist große Ähnlichkeit auf mit dem an letzter Stelle verzeichneten Grundstück in der Vermögenserklärung von 1671 des Peter (auf dem Berge) (vgl. Anh. 21, „Besitztum von Peter ROCHOLL auf dem Berg“). Es besteht also die Möglichkeit, dass Gertrud ihren Bruder beerbt hat. Als Tochter kommt sie für ihn nicht in Frage, da Gertrud 1663 (vgl. Anh. 23, Bl. 99) bereits verheiratet war. Aus der Schenkung könnte gefolgert werden, dass diese anlässlich der Feier der goldenen Hochzeit geschah, in welchem Fall die Trauung auf den 11.03.1661 zu setzen wäre.

Der Reihenfolge der vier Kinder von Peter (Sohn) in der Ausgangsübersicht liegen ihre Heiratsdaten zugrunde, wenngleich dieser Maßstab nicht immer zuverlässig ist. Margarethe heiratete 1652, Gertrud 1661, Christine 1662 und Peter war 1663 verehelicht. Da das Heiratsalter bei Söhnen im allgemeinen höher liegt, wurde Peter (auf dem Berge) vor Gertrud und Christine eingereiht.

 
GOTTSCHALKs KINDER

Der Justizbürgermeister Adolph Wilhelm ROCHOLL bemerkt in seinen hinterlassenen Schriften über Gottschalk, dessen Kinder und Enkelkinder (wiedergegeben in der Stammtafel von Louis ROCHOLL):

„Er (Gottschalk) zeugte daselbst (Radevormwald) zwei Söhne Peter und Bernhard, welch letzterer 1645 geboren wurde. – Der Peter hinterließ zwei Söhne Johann und Peter ROCHOLL, welche beide auf der Universität Duisburg Prediger in der Hauptkirche daselbst wurden.“

Die Mitteilung der weiteren dort wiedergegebenen Nachrichten erübrigt sich, da diese anderwärts belegt sind. Adolph Wilhelm wurde zwar mit neun Jahren Waise, aber drei Brüder seines Vaters, d.h. Enkel Gottschalks, lebten noch viele Jahre mit ihm. Da er in jungen Jahren ein außerordentlich geweckter Mann war und im hohen Alter noch so klar und lebendig seine lange wechselvolle Lebensbahn aufzeichnen konnte, ist an Genauigkeit seiner Mitteilungen nicht zu zweifeln. Diese entsprechen, was die Abstammung von Peter (Enkel) und Bernhard als Söhne von Gottschalk anbelangt, aber auch den Kopfsteuerlisten (vgl. Anh. 23, Bl. 91). Bernhard ist außerdem noch zweimal als Sohn von Gottschalk beglaubigt, und zwar durch die Aufzeichnung der alten Bibel (vgl. Anh. 3, „Die Aufzeichnung einer alten Bibel und ......“) und durch untrügliche alte Stammtafelzeichnung, welche von Karl ROCHOLL (0907491 – siehe Zeichnung etwas weiter unten) eingereicht wurde. Schließlich bezeichnet der Provisor Bernhard ROCHOLL 1678 unter den Einnahmen in den Rechnungsbüchern der reformierten Gemeinde den Bürgermeister Peter ROCHOLL ausdrücklich als seinen Bruder (vgl. Anh. 25: Peter Enkel [0400600], Bruder von Bernhard [0400800] und Wilhelm ÜMINGHAUS [0400700] beider Schwager“). Nach allem sind beide als Gottschalks Söhne gut ausgewiesen, ebenso ist ihr Lebensweg erkennbar. Zweifelslos war Peter (Enkel) älter als Bernhard, denn Peter nimmt bereits 1662 zusammen mit seinem Vater und seinem Onkel Adolph am Sendgericht teil, als Bernhard (1645) erst 17 Jahre zählte. Da für die Teilnahme am Sendgericht ein gesetzteres Alter anzunehmen ist, kann Peter (Enkel) etwa 1630 bis 1635 geboren sein. Beide Brüder waren 1663, als sie noch bei den Eltern wohnten (vgl. Anh. 23, Bl. 91), ledig, 1673 aber (vgl. Anh. 23, Bl. 232 und 237) verheiratet. Die Eheschließung von Peter (Enkel) muss zwischen 1664 und 1668 stattgefunden haben, da sein ältester Sohn Johann 1669 geboren wurde. Als Bernhards Heiratsantrag ist der 05.10.1672 überliefert.

Unter den Nachrichten von Arnold Wilhelm ROCHOLL ist indessen am bemerkenswertesten die Feststellung, dass Peter (Enkel) zwei Söhne Johann und Peter hatte, die Prediger in Duisburg wurden. Wenn sich diese auch als Prediger aus zahlreichen Nachrichten klar herausstellen, so ist ihre Abstammung merkwürdigerweise sonst nirgends angegeben.

In diesem Zusammenhang sei noch einer mit Vornamen unbekannten Tochter von Peter (Enkel) – „Richter ROCHOLLs Tochter“ – Erwähnung getan. Als solche beteiligte sie sich bei der Stiftung der Tafeltücher (vgl. Anh. 30: „Stiftung von Tafeltüchern“). Als Richter ROCHOLL kommt nur Peter (Enkel) in Frage. Nach anderer hiervon unabhängiger Quelle war ein Johannes WÜLFING zu Radevormwald mit einer ROCHOLL, deren Vorname ebenfalls nicht bekannt geworden ist, verheiratet. Derselbe WÜLFING stand am 23.02.1718 bei der Taufe eines Sohnes vom Prediger Johannes ROCHOLL in Duisburg Pate. Diese Tatsache, und dass der Patenonkel die Reise nach Duisburg nicht scheute, sprechen mit großer Wahrscheinlichkeit dafür, dass Johannes WÜLFING als Schwager des Duisburger Predigerpaares anzusehen ist, das heißt seine Gattin als Schwester der beiden Prediger und als Tochter von Peter (Enkel).

Ganz unklar hingegen erscheint die Stellung von Johann und Maria als Kinder Gottschalk. Louis ROCHOLL führt sie als solche auf; eine Beweisführung hierfür fehlt, und bei neuerer Forschung wurde nicht die geringste Spur von ihnen gefunden. Sie sind überlieferungsgemäß als Geschwister von Peter (Enkel) und Bernhard, und zwar zwischen beiden, weitergeführt worden.

Neben den bisher behandelten vier Kindern, Peter (Enkel), Johann, Maria und Bernhard, wie sie die Stammtafel von Louis ROCHOLL nennt, lassen sich nach den neueren Forschungen noch zwei Töchter Christine und Margarethe klar erkennen.

Christine war mit Bürgermeister Dietrich HÖLTERHOFF verheiratet, der um die Jahreswende 1676/77 gestorben sein muss. Es kommt 13.03.1677 zu einem ausführlichen Erbauseinandersetzungsvertrag über sehr umfangreiche Ländereien (vgl. Anh. 24:  „Erbteilung des HÖLTERHOFF 1677“). Aus diesem Vertrag ergeben sich die Verwandtschaftsverhältnisse, im Besonderen die eindeutige Tatsache, dass Christine aus der Ehe Gottschalk ROCHOLL und Margarethe MOLL stammte. Ihr ältester Sohn Peter war 1673 (vgl. Anh. 23, Bl. 235) bereits verheiratet und zu dieser Zeit schätzungsweise 25 Jahre alt. Wenn Christine mit etwa 22 Jahren heiratete, so ist als Jahr ihrer Geburt 1625 und ihre Eheschließung 1647 anzunehmen.

Margarethe war mit dem Bürgermeister Dr. Wilhelm ÜMINGHAUS verheiratet, was auf eigenartige Weise offen-bar wurdeÜMINGHAUS war zunächst als Schwager von Bern-hard bekannt (vgl. Anh. 25,Peter (Enkel) – [0400600] – Bruder von Bernhard [0400800] und Wilhelm ÜMINGHAUS [0400700] beider Schwager“). Dieser bezeichnete ihn 1705 im zweiten seiner drei Briefe (vgl. Anh. 28) an seinen Sohn  Gottschalk (den Kriegsmann) als dessen Onkel, nämlich „Dein Ohm Wilhelm ÜMINGHAUS ist Bürgermeister“. Es herrschte lange Zeit Unklarheit darüber, welcher Art die Verwandtschaft war, das heißt, ob ÜMINGHAUS eine ROCHOLL oder eine BAUENDAHL zur Frau hatte. Dieses Geheimnis lüftete sich eines Tages durch die bereits erwähnte alte Stammtafelzeich-nung, die, sehr hübsch „stammbaumartig“ dargestellt, auch sonst sehr beachtenswert ist und wahrscheinlich von Melchior ROCHOLL in Soest stammt [siehe nebenstehend]. Sie veranschaulicht im Besonderen die Nachkommenschaft des jüngsten Sohnes, Petrus, aus der Ehe Bernhard, wie dieser von Gottschalk ausgehend, offenbart nun die Tochter „Margaretha ROCHOLL, verheiratet mit Wilhelm ÜMINGHAUS“  ferner als deren Tochter „Margaretha ÜMINGHAUS Ehefrau von Joh. BRAß“. Das sind aber zugleich auch alle Nachrichten, die von diesem Töchternachkommenzweig überhaupt bekannt geworden sind.

Margarethe war 1663 noch ledig, jedoch 1673 verheiratet (vgl. Anh. 23, Bl. 91 und 238) und wird nach den vorangegangenen Betrachtungen über die Eheschließung von Gottschalk sicher älter als Bernhard (1645) gewesen sein.

 
FAMILIE ROCHOLSBERG UND DIE ORTSCHAFT ROCHOLLSBERG
– Siehe Ahnentafel „Rocholsberg“ sowie den Anh. 2, „Weitere Namensträger Rocholsberg aus Radevormwald“
 

Eine Behandlung der Familie ROCHOLSBERG ist aus zwei Gründen erforderlich, und zwar erstmals wegen der großen Namensähnlichkeit mit ROCHOLL und zweitens, weil ungefähr ein Drittel aller Träger des Namens ROCHOLL von einer ROCHOLSBERG-Tochter abstammt. Die Schwierigkeit einer Aufstellung einer Stammfolge wird dadurch noch erhöht, dass die Familie annähernd ein Jahrhundert früher in Radevormwald auftritt als die Familie ROCHOLL, trotzdem aber weit dürftigere Forschungsergebnisse über sie vorliegen. Es sind auch nicht annährend solche Hilfsmittel oder Überlieferungen vorhanden, wie sie die Familie ROCHOLL besitzt. Dieses erklärt sich aus dem Niedergang der ROCHOLSBERG gegen Ende des 18. Jahrhunderts und ihrem Aussterben in der Manneslinie im 19. Jahrhundert, zum mindesten in Radevormwald.

Ortsschild Rochollsberg_2.jpg

Etwa 7 km nordöstlich von Radevormwald liegt heute noch die kleine Ortschaft ROCHOLLSBERG (mit zwei „L“), die offenbar der Familie den Namen (jedoch mit einem „L“), gegeben hat. Diese Ortschaft ist heute ein zu Radevormwald gehörender Ortsteil. Nach den vorliegenden Urkundenabschriften kommen in der Schreibweise des Namens zahlreiche Verschiedenheiten vor, so zum Beispiel als Vokal in der ersten Silbe au, o, oe, oi, ou und oy, in der zweiten Silbe o und e, als Konsonanten zwischen den beiden ersten Silben ch, ck und k, ferner die Schreibweise mit und ohne l, so- wie ß statt s und am Schluss noch ein h, jedoch niemals mit zwei „L“. In alter Zeit überwog ROCHELSBERG und ROCKOLSBERG, spät-

hin ROCHOLSBERG. Hiernach wäre die Entstehung des Namens so zu erklären, dass sich ein Mann mit Namen ROCHEL oder ROCKOL dort, wo heute die Ortschaft liegt, ansiedelte, und dass sein Hof, da er tatsächlich hochgelegen war, ROCHELS- oder ROCKOLSBERG genannt wurde. In welchem Zeitmaß sich der Hof zur Ortschaft entwickelte, ist unbekannt. Den Nachrichten zufolge hat er sich bald vergrößert. Auffallender Weise tritt nun aber die Familie ROCHOLL, deren Name in ältester Zeit (auch außerhalb von Radevormwald) ähnliche Verschiedenheiten aufwies, erst 1590 in Radevormwald in Erscheinung, während die ersten Nachrichten der Familie ROCHOLSBERG aus dem Jahre 1502 stammen. Läge die Entwicklung umgekehrt, wäre der Zusammenhang sofort klar, und es könnte eine Verwandtschaft oder Abzweigung der ROCHOLSBERG von der Familie ROCHOLL gefolgert werden. So aber wird die Häufigkeit der Namensform ROCHOLL, deren Vorkommen außerhalb von Radevormwald bereits erwähnt wurde, auch hier im Spiele entstehen und die Ursache für das völlig getrennte Auftreten beider Familien gewesen sein.

In einem Teil der Nachrichten erscheinen Personen mit der Bezeichnung „zu“ oder „von“ vor ROCHOLSBERG. Diese Bezeich-nung ist dann ein Flurname. Mit den genannten Vorworten sollte für die betreffenden Personen eine engere oder losere Verbindung zum Hof ausgedrückt werden. Wahrscheinlich setzte „zu“ ein Wohnen im Ort voraus, während ein „von“ eine frühere Beziehung dazu bezeichnete. Die Nachrichten über beide Personenkreise verteilen sich auf rund 1½ Jahrhundert, reichen mithin etwa bis 1650. Sie sind zahlenmäßig und inhaltlich im Vergleich zu dem Zeitraum gering, so dass sie keinerlei Aufstellung in der Stammfolge gestatten.

Anders sieht es dagegen bei der in Radevormwald eingesessenen Bürgerfamilie ROCHOLSBERG (ohne "von" oder "zu") aus, die seit ihrem Erscheinen zur Oberschicht, das heißt zu den Ratsverwandten gehörte. Bei ihr sind zweifellos ebenfalls Beziehungen zur gleichnamigen Ortschaft spürbar, hatte sich der Name ROCHOLSBERG bereits zum Eigennamen entwickelt. Hier ließ sich schon eher eine Stammfolge feststellen. Die Zusammenhänge verstärken sich im 17. Jahrhundert, werden in der nachfolgenden Zeit wieder schwächer und verschwinden schließlich in neuerer Zeit ganz. Die beiden ersten Nachrichten über die Bürgerfamilie ROCHOLSBERG lauten:

  • 06.03.1563 Theyes ROYCKELßBERG und Fia (Sophia) elunde (Eheleute). 

  • 01.03.1565 Wylhelm ROYCKELßBERG Scheffe zu Radevormwald

Es konnte im Rahmen der Stammfolge der Familie ROCHOLL nicht die Aufgabe werden, eine ins einzelne gehende Stammtafel der Familie ROCHOLSBERG aufzustellen. Sie spielt hier, im Ganzen gesehen, nur eine Nebenrolle. Bedeutsam ist sie für die Familie ROCHOLL aber dadurch, dass sich zwischen beiden Familien zeitweise enge Beziehungen feststellen lassen, die schließlich ihren hervorragendsten Ausdruck fanden in dem erfreulichen Ehesegen des Bürgermeisters Johannes ROCHOLL [0500600] und seiner Gattin Anna Maria ROCHOLSBERG. Diese Frau schenkte ihrem Gatten nicht weniger als 21(!!) Kinder und wurde dadurch zur bedeutendsten Mutter in der Familie ROCHOLL.

Die Übersicht „Stammfolge ROCHOLSBERG“ veranschaulicht die Bürgerfamilie wenigstens einigermaßen in ihrer Blütezeit. Infolge des Fehlens der Kirchenbücher der reformierten Gemeinde für die Zeit vor 1770 war eine Verbindung mit den weiteren in Radevormwald ermittelten Namensträgern (vgl. Anh. 2) unmöglich. Die dargestellte Entwicklung der Familie ist mit derjenigen der Familie ROCHOLL nicht vergleichbar. Diese wuchs fortschreitend schier ins Ungemessene, jene nahm ab und verschwand schließlich ganz. Und doch fließt, wie bereits bemerkt, in etwa einem Viertel aller Namensträger ROCHOLL auch ROCHOLSBERGsches Blut. – In der Darstellung wurden die Vorfahren der Anna Maria ROCHOLSBERG etwas eingehender behandelt. Die Stammfolge veranschaulicht auch die Mannigfaltigkeit der zu ziehenden Schlüsse, wenn nur unzulängliche Quellen zur Verfügung stehen. Aus diesem Grunde erfolgt die Veröffentlichung unter allem Vorbehalt.