ABSCHRIFT DES ORIGINALVORWORTES AUS 1938

von RICHARD ROCHOLL († 1961) [1201400]

zur Entstehung dieser Familiengeschichte

– Anmerkung HR: Die Bildtafeln, auf die in seinem Originalvorwort verwiesenen wurde, sind hier direkt eingefügt worden – 

Sinn für Familiengeschichte und Sinn für Familienzusammenhalt gehören zwar nicht unbedingt zueinander, sie bilden aber beide die Grundlage für ein Werk wie das vorliegende, mit dem die alten und neuen Forschungen zu einem gewissen Abschluss kommen sollen. Erfreulicherweise sind die genannten Erfordernisse in der Familie ROCHOLL alte Überlieferung. – So wandelbar wie nun alles Geschehen in der Zeit ist, so verschieden sind auch hier die Ausdrucksformen. Zum einem gab es vor Jahrhunderten keine Familienverbände oder Familiengeschichten im heutigen Sinne. Wir besitzen aber zahlreiche Zeugnisse für Vorhandensein von Familienzusammenhalt und Sinn für Familiengeschichte in unserer Sippe. Ich nenne nur die zwar in der Hauptsache persönlich gehaltenen Briefe – einer davon nachstehend – des alten Bernhard an seinen Sohn, den Soldaten Gottschalk (Abschrift siehe Anhang Nr. 28, 3. Brief), die mannigfaltigen sonstigen Briefe über Austausch von Familienveränderungen und Familienbestandsaufnahmen mit ausführlichen Daten (Anm. HR: siehe  hierzu weiter unten – am Ende dieses Vorwortes – die Bildtafeln sowie im Anhang Nr. 36b den Brief des Bernhard ROCHOLL [0701400] vom 12.09.1804 an den Justizbürgermeister Adolph Wilhelm ROCHOLL [0600700]) die nachweisbaren gegenseitigen Patenschaften und Besuche selbst bei Verwandtschaft weiteren Graden und bei großen Entfernungen in den Zeiten der schwerfälligen Postkutsche, die überlieferten Stammtafelzeich-nungen, Merkbücher über Familienereignisse und Bibeleintragungen, schließlich die häufigen Ehen innerhalb der engeren und weiteren Familie.

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RICHARD ROCHOLL
Herausgeber der RADER ROCHOLL

★  1876 - †1961 [1201400]

Brief No. 3 vom 02.08.1706 des BERNHARD ROCHOLL [0400800] an seinen Sohn GOTTSCHALK ROCHOLL [0400802]

Nun war es ja sicher nicht so, dass sich das eine oder andere ununterbrochen vom Vater auf den Sohn usw. fortpflanzte, oder dass nur ein dauerndes Band der Liebe die Zeitgenossen umschloss. Im Gegenteil, es sind die angeführten Tatsachen bei der langen Spanne von Jahrhunderten nur vereinzelte, wenn auch immer in ähnlicher Form wiederkehrende Beobachtungen, und wir besitzen auch Beweise von Gegensätzlichkeiten in der Familie. Anderseits geschah es in unregelmäßigen Zwischenräumen aber auch, dass Einzelne für die Gesamtheit die ganze Last der Forschungsarbeit auf sich nahmen, wobei die Familie wiederum folgte und getreulich nach Kräften mitarbeitete. Dieses bezieht sich auch auf die Töchternachkommen, die mitunter nicht nur als Familienangehörige angesehen werde, deren Anhänglichkeit gerade in unserer Familie sehr oft zutage trat.

 

Der erste ROCHOLL älterer Zeit, der dankenswerterweise über die Herkunft der Familie ROCHOLL Aufzeichnungen hinterlassen hat, war der Justizbürgermeister Adolph Wilhelm ROCHOLL in Soest (1728 – 1819). Jedoch den hervorragendsten Ausdruck fanden die anfangs erwähnten Tugenden in den Arbeiten seines Enkels, des Gerichtsrats Louis ROCHOLL in Hagen i. W., und zwar in der Stammtafel der Familie Rocholl von 1866, sodann in den Mitteilungen “Vor der Stammtafel“ in dem Band „Allerlei“ – vgl. dort Seite 294 – (Anm. HR: Dieser Band „Allerlei“ ist 2019 unbekannt) seiner für den engeren Familienkreis herausgegebenen Bücher. Die übrigen sind betitelt: „Andenken an das Elternhaus“ – „Aus dem Elternhaus“ – „Aus dem Geschwisterkreise“ – „Ferienfahrt“ und „Allotria“. Louis ROCHOLL gebührt auch an dieser Stelle wärmster Dank für seine verdienstvolle Arbeit und seine hervorragende Leistung.

 

Aus der Zeit nach 1866 bis zum Ende des Jahrhunderts ist nur zu berichten, dass für einen engeren Familienkreis, umfassend die Nachkommen des Justizbürgermeisters Adolph Wilhelm ROCHOLL, Anfang der 1870er Jahre ein Familientag in Soest stattfand. Die Teilnehmer sind in nachfolgendem Lichtbild festgehalten – (eine ausführliche Personenübersicht zu diesem Bild befindet sich unter der Stammhaltertabelle des Adolph Wilhelm ROCHOLL [0600700]):

Familientag 1892 Soest (oberes Bild)

Familientag zu Soest 1872 innerhalb eines engeren Kreises der Nachkommenschaft

des Justiz-Bürgermeisters Adolph Wilhelm ROCHOLL [0600700] (einzelne Namen siehe dort

Anfangs des 20. Jahrhunderts entwickelte sich auf Anregung des damaligen Militäroberpfarrers Konsistorialrats Dr. Heinrich ROCHOLL und des Kaufmanns Theodor ROCHOLL (beide zu Hannover) ein engerer Familienzusammenschluss. Es wurde ein Familientag in Düsseldorf am 16.09.1902 berufen und hierbei unser Familienverband gegründet. Damit hatten Sinn und Hang für Familienzusammenhalt, die jahrhundertelang bestanden, sich aber bisher nur gelegentlich geäußert hatten, erstmalig feste Gestalt angenommen. Familienzusammenhalt und Weiterforschung waren die Leitgedanken für den neuen Zusammenschluss. Die Familientagungen wiederholten sich am 17.05.1904 in Soest, 29.05.1906 in Kassel, 01.06.1908 in Barmen (Großneffe von Louis ROCHOLL und Urenkel des Justizbürgermeisters Adolph Wilhelm ROCHOLL), 10.05.1910 in Bonn und 04.05.1913 in Barmen. Im Auftrag des Familienverbandes wurde in einschlägigen Urkundensammlungen geforscht. Im Besonderen geschah dieses seitens eines beruflichen Familienforschers, Karl VOM BERG, Düsseldorf, bei Kirchen- und Gemeindeämtern und in den verschiedensten sonstigen Quellen.

 

Es kam der (HR: "Erste") Weltkrieg mit seinem unglücklichen Ausgang und den sich anschließen- den Zerfallser-scheinungen. Der Familienverband schlief fast vollständig ein. Sein Vermögen zerrann infolge der Geldentwertung. Nach Beendigung derselben (1924) erschien mein (HR: Richard R'LLs) „Nachtrag zur Stammtafel der Familie ROCHOLL“, der von vielen Familien-mitgliedern freudig als Beginn eines neuen Aufstiegs begrüßt wurde. Der alte Sinn für die große Familie erwachte in ihr und trieb neue Blüten. Der damalige Studienassessor Wilhelm ROCHOLL in Godesberg schlug als Ersatz für unmöglich gewordene Familientage die Schaffung einer Familienzeitung vor. Unter seiner Leitung erschien ab 1926 das „Nachrichtenblatt der Familie ROCHOLL[= "NaBl" - siehe Abkürzungen]. Es hat sich ausgezeichnet bewährt.

 

Gleichzeitig entstand der Familienverband zu neuem Leben und zwar in schönerer Pracht als vordem. Mit der Festigung des Familienzusammenhalts waren die Grundlagen für die weitere Forschung geschaffen. In Fortsetzung der von mir [RR] aufgenommenen Arbeiten an der Stammtafel fielen dann in jüngster Zeit folgende Maßnahmen: Der ältere Teil der Stammtafel wurde gründlich überholt, das heißt in vielen Punkten ergänzt, berichtigt, erweitert. Letztes galt im Besonderen den oberen Geschlechterreihen, der sogenannten Predigerlinie und dem Zweig II. Louis ROCHOLL hatte in seiner Stammtafel neben der Hauptstammfolge nach Gottschalk ROCHOLL zwei Nebenzweige I und II aufgestellt, mit denen er damals keine Verbindung herstellen konnte. Hierzu traten später zwei neue Zweige (ehemals III und IV), die zunächst gleichfalls nicht anzuschließen waren.

 

Grundsätzlich wurde die Forschung auf diejenigen Namensträger beschränkt, deren Vorfahren aus Radevormwald stammten, denn wir haben mit anderen wahrscheinlich nur den Namen gemeinsam und sind mit ihnen nicht blutsverwandt. Nebenher ging die Einrichtung einer umfangreichen Familienkartei nach neuzeitlichen Gesichtspunkten. Es folgte die Erfassung der Töchter-nachkommen, die bekanntlich blutmäßig denselben Anspruch auf Zugehörigkeit zur Familie haben wie die Namensträger. Dabei ergaben sich ungeahnte Zahlen. Wir haben etwa 1.400 Namensträger und etwa 8.000 Töchternachkommen. Hinweis HR: Stand 1938!!

 

Im Jahr 1929 entstand der Familienverbandstaler mit dem markigen Kopf von Johannes ROCHOLL (1689 bis 1760) [05 006 00], unserem Wappen und dem Wahlspruch: „TREU, FEST, WAHR!“

 
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Familientaler 63 mm im Durchmesser, 4 mm stark (Material: Bronze, Gewicht 103 gr.)
[Entwurf und Schnitt aus 1929 von Prof. Rudolf BOSSELT , Braunschweig]

Ein Album, umfassend annähernd 700 Familienmitglieder (Anm. HR: kann bei mir nach Voranmeldung eingesehen werden), fast aus-schließlich Namensträger, zeigt die Familie im Bilde. – Der Aufsatz „Ein Streifzug durch Gottschalk ROCHOLL‘s Radevormwalder Verwandtschaft“  (vgl. NaBl Nr. 14 u. 15)  von Studienrat Wilhelm ROCHOLL in Trier gab Anregung zum Anschluss zahlreicher Namensträger, vorzugsweise des 17. Jahrhunderts. Im Besonderen gelang dieses schließlich auch für den Zweig I und mit einigem Vorbehalt auch für die Zweige II u. III.

 

Die jüngere Forschung hatte sich nach allem im Verlaufe von 10 Jahren (HR: ab 1928) einer gewissen Abrundung und Vollendung genähert. Dies ließ den Gedanken wach werden, die gesamten Ergebnisse im Druck erscheinen zu lassen. Der Druck von Familiengeschichten war seit der Jahrhundertwende [HR: 19. auf 20. Jhdt.] aufgekommen und hatte in den Nachkriegsjahren mehr und mehr zugenommen. Als nun gar mit dem Umbruch infolge der nationalsozialistischen Bewegung die Familienkunde staatlich unterstützt und zum Allgemeingut des Volkes emporgehoben wurde, da erschien mir (Anm.: Richard ROCHOLL) – im Einvernehmen mit meinem getreuen Mitarbeiter Wilhelm ROCHOLL – die Zeit für die Veröffentlichung einer Geschichte der Familie ROCHOLL gekommen.

 

In dankbarer Erinnerung an die gemeinsamen Vorfahren widme ich dieses Buch den Lebenden und den Zukünftigen unter dem Goethewort:

 

Was Du ererbst von Deinen Vätern hast, 

Erwirb es, um es zu besitzen.

 

Richard ROCHOLL († 1961)

Hauptmann a.D. (St.f. XII 11)  /  [1201400]

Familienbestandsaufnahme – vermutlich von JOHANNES ROCHOLL [0500600] geschrieben

 
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